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Städtische Museen Zittau Zittauer Epitaphienschatz [7580]

Gemäldeepitaph Matthias Schemisch

Gemäldeepitaph Matthias Schemisch (Städtische Museen Zittau RR-R)
Provenance/Rights: Städtische Museen Zittau / Jürgen Matschie (RR-R)

Description

Darstellung/Ikonographie: Beim Epitaph für Matthias Schemisch, das laut Inschrift 1586 geschaffen wurde, verbindet sich eine klassische antikisierende Gliederung mit manieristischen Elementen. So sind die Säulen, die das Mittelfeld flankieren, mit einer Marmorierung versehen, während der untere Teil ihrer Schäfte mit einem imitierten Edelsteinbesatz versehen sind. Der Dreiecksgiebel über dem Architrav besitzt Einkerbungen, die die antike Grundform aufsprengen (siehe z. B. das Epitaph für Dorothea Amend, Kat. 10), und trägt drei gedrechselte Aufsätze. An den Seiten befindet sich durchbrochenes Rollwerk. Unter der Sockelzone war ehemals ein Konsolbrett angebracht. Es enthielt die Memorialinschrift, die an Matthias Schemisch und seine Ehefrau Dorothea erinnerte, die beide 1585 starben. Der Name Schemischs wird auch im Giebel genannt ("Matthias Schemi?ch"). Dort ist zudem das Wappen der Zittauer Kürschnerzunft abgebildet, was darauf deutet, dass der Verstorbene ein Kürschner war. Das Bildfeld in der Sockelzone zeigt die Familie Schemisch, bestehend aus Matthias und Dorothea Schemisch, drei lebenden Söhne, zwei jung verstorbenen Söhnen, zwei lebenden Töchtern sowie einer als Kleinkind verstorbenen Tochter. Das Hauptbild ist durchaus ungewöhnlich, denn es verbindet das Jüngste Gericht samt Auferstehung der Toten mit den sieben Werken der Barmherzigkeit, einem in der Epitaphkunst eher seltenen Bildthema. Beide Themen sind durch den Bibeltext verbunden, der im Textfeld im Architrav beginnt und im Bildfeld fortgesetzt wird. Im Matthäusevangelium wird berichtet, wie Jesus Christus das Weltgericht ankündigt (Mt 25,34). Es folgt eine Aufzählung von Handlungen, in denen sich Nächstenliebe äußert (Mt 25,35–36). Das Matthäusevangelium betont, dass alle diese Werke an den leidenden und benachteiligten Menschen im Weltgericht so bewertet werden, als habe man sie für Jesus Christus getan (Mt 25,37–46). Somit verdeutlicht das Epitaph, dass die Lebenden ihren Mitmenschen mit Nächstenliebe begegnen müssen, um im endzeitlichen Weltgericht bestehen zu können und himmlischen Lohn zu erlangen. Diese Ermahnung richtet sich nicht nur an die Mitglieder der Familie Schemisch, sondern an alle, die das Epitaph betrachten. Die Aufteilung der Werke der Barmherzigkeit in sieben Einzelfelder mit einem erläuternden Text ähnelt formal dem Aufbau des Großen Zittauer Fastentuchs. Zur Person/Familie: Die Zittauer Häuserchronik führt keinen Matthias Schemisch oder Semisch / Sämisch. Gemäß Überlieferung (Döring) ist Matthias Schemisch (1527-1585) am 11. Dezember 1585 im Alter von 58 Jahren gestorben. Er müsste demnach 1527 geboren sein. Kurz zuvor, am 19.11.1585, war seine Ehefrau Dorothea im Alter von 52 Jahren gestorben. Sie ist demnach 1533 geboren. Das Wappen im Giebelfeld verrät, dass Matthias Schemisch Kürschner war und Mitglied der Zittauer Kürschnerinnung. Die Kürschnerinnung ist bereits seit 1401 nachweisbar. Für das Jahr 1557 sind Innungsartikel überliefert, die 1595 erneut privilegiert wurden. Kommentar: Im Vergleich zu den anderen Epitaphien für Handwerkerfamilien gehört dasjenige der Familie Schemisch zu den größten erhaltenen. Durch die vielfältigen Ziertechniken macht es einen prächtigen Eindruck, der durch die Vielfalt der Darstellung mit den verschiedenen kleinen Bildszenen verstärkt wird. Der künstlerische Anspruch der Malerei ist allerdings eher bescheiden im Vergleich mit den sonstigen Epitaphien um 1600. Die Gesichter und Körper wirken flach, die Gesichter leblos, die Gewandfaltenwürfe wenig gekonnt. Die Malerei und die inakkurate Ausführung der Inschriften erinnert an das im selben Jahr entstandene Epitaph für Dorothea Barsch (Inv.-Nr.: 7575).

Material/Technique

Holz mit farbiger Fassung / Blattmetallziertechniken: Vergoldung, Versilberung; Ziertechniken Malerei: rote, weiße u. graue Marmorierung, Weißfassung, Schattenlinie, Illusionsmalerei, Stricheltechnik

Measurements

Length
232 cm
Width
132 cm
Height
30 cm
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... When
Was used ...
... Where More about the place

Literature

Keywords

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Object from: Städtische Museen Zittau

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